WARUM MÜSSEN MÄNNER EIGENTLICH KEIN KOPFTUCH TRAGEN?

‚Fast jeden Tag bekomme ich zu spüren wie wichtig den Menschen das äußere Erscheinungsbild ist.‘ 

 

Ich bin Filiz und 26 Jahre jung. Seit genau 26 Jahren bin ich Muslimin. Klar ich bin in eine muslimische Familie hineingeboren, doch ab einem bestimmten Alter habe ich angefangen mir selbst Gedanken darüber zu machen was der Islam überhaupt ist. Wenn man in eine Kultur und Religion hineingeboren wird dann nimmt man, je nach Erziehung, automatisch die Regeln und Strukturen seiner Familie und seines Umfeldes erst einmal an. 

 

Doch ab einem bestimmen Alter, was bei jedem Menschen unterschiedlich ist, beginnt man intensiver über sein Handeln und sein Leben nachzudenken. ‚Was mache ich da eigentlich? Und warum mache ich das so? Wieso glaube ich an Gott? Weil meine Eltern mir das so beigebracht haben oder fühle ich tief in meinem Herzen wirklich so?’

 

Wenn man über einige sehr wichtige Fragen im Leben stolpert, sei es durch den eigenen Verstand oder durch Freunde, fremde Menschen, Medien etc. und sich diese Fragen ehrlich beantworten kann, hat man schon viel gewonnen. Man beginnt z.B. seine Religion zu lieben und zu akzeptieren, nicht weil es die Eltern und Familienmitglieder so machen, sondern weil man beginnt den wahren Sinn dahinter zu verstehen. Je tiefer man gräbt desto mehr Fragen kommen auf. Aber spätestens wenn man die Antworten dazu kennenlernt merkt man wie wundervoll das ganze ist und wie das ganze Leben plötzlich einen Sinn macht. Wie schön die Welt doch ist in der wir uns befinden und wie schön erst das Paradis sein muss. 

 

Ich kann mich noch ganz genau an diesen einen Moment erinnern. An den einen Moment, der mein Leben verändert hat. Ich meine es war nach der siebten Klasse in den Sommerferien. Ich hatte die Möglichkeit bekommen meine Religion, den Islam, besser kennen lernen zu dürfen. Und damit meine ich nicht die meist aufgezählten Dinge wie: Frau muss Kopftuch tragen und Mann "darf alles machen was er will".

Sondern ich habe die 5 Säulen des Islams näher kennengelernt, die Bedeutung des Gebetes 5 mal am Tag, das Leben unseres Propheten (sav.) und noch viele andere schöne Dinge.

 

Und plötzlich war es um mich geschehen. Ich war verliebt. Ich war sprachlos. Ich war begeistert. Mir war, als hätte mir jemand meine Augen und mein Herz geöffnet. Ich hatte endlich Antworten auf Fragen die zwar tief in mir gelauert haben, aber die ich nie über meinen Mund ausgesprochen hatte. So Fragen wie: ‚Warum existiere Ich überhaupt, wenn ich sowieso eines Tages sterben werde? Was ist der Sinn des Lebens? Was geschieht mit mir nach dem Tod? Gibt es überhaupt ein Leben nach dem Tod? Warum gibt es so viel Leid auf dieser Welt?‘. 

 

Ich war verliebt in eine Religion und sie heißt Islam. Islam steht für Liebe und Frieden. 

All diese wundervollen Dinge die ich über meine Religion kennengelernt habe, all diese Eigenschaften die ich in mir trage und jeden Tag versuche dadurch ein besserer Mensch zu werden, all das kann man von AUßEN natürlich NICHT SEHEN. Weil sie tief in meinem Herzen stecken. Weil nur meine Seele, mein Verstand und mein Herz 24/7 damit beschäftigt sind. Nicht meine Klamotten, nicht mein Aussehen. 

 

 

Und so lebte Ich 20 Jahre lang mit meiner Religion im Herzen und ohne Tuch auf dem Kopf. Da so niemand meine Religion ‘sehen‘ konnte hat mich auch kaum jemand darauf angesprochen. Ich habe keine negativen Kommentare über den Islam gehört. Ich musste mich kaum dafür rechtfertigen, dass ich Muslimin bin. Ich war einfach nur Filiz. Man hat mich eher nach meinen ‘Hobbys‘ gefragt oder ‘welche Musik ich höre‘, anstatt ‘wieso müssen Frauen ein Kopftuch tragen und Männer nicht?‘

 

Um auf meinen ersten Satz von diesem Artikel zurück zukommen:

 

‚Fast jeden Tag bekomme ich zu spüren wie wichtig den Menschen das äußere Erscheinungsbild ist.‘

 

Seitdem ich ein kleines Stück Stoff auf meinem Kopf trage hat sich vieles verändert. Ich laufe durch die Straßen und spüre die Blicke auf mir. Wenn man mich neu kennenlernt, wird weniger nach meinem Alter, Hobbys oder meinem Beruf gefragt, sondern eher ob ich Muslimin bin und ob ich das Kopftuch aus freier Entscheidung heraus trage. 

 

Ich habe einfach gemerkt wie ‘störend‘ so ein Tuch sein kann im Umgang miteinander. Wie sehr Menschen einen aufs äußere Erscheinungsbild nicht direkt reduzieren aber wie sehr sich dadurch der Gesprächsmittelpunkt verschiebt. Anstatt mich und meine Persönlichkeit kennen zulernen werden provozierende Fragen gestellt. Fragen stellen ist kein Fehler, im Gegenteil. Aber leider sind die meisten dann nicht darauf aus mit den Antworten die sie erhalten glücklich und zufrieden zu sein, sondern man merkt regelrecht wie diese Menschen einen versuchen in einem ‘Battle‘ fertig zu machen und so kommen auf jede Antwort erneute Fragen und das ohne Ende. Und dann frage ich mich, warum Menschen so sind.

 

 

Dann kommen wirklich Aussagen wie: ‚Frauen werden im Islam benachteiligt. Ein Beispiel dafür ist, dass Frauen ein Kopftuch tragen müssen und Männer nicht!‘

 

 

Während diese Fragestellung für mich als Muslimin sehr vernunftlos und albern ist, ergibt es tatsächlich für Nicht- Muslime einen Sinn. Wenn man sich nur über EINE Sache in unserer Religion im klaren sein sollte, dann ist es der Fakt das Frauen und Männer im Islam gleichwertig, aber nicht gleichartig sind. Das bedeutet, dass Frau und Mann angefangen von Ihrer Anatomie über Physiologie teils sehr verschieden sind. Das geht weiter im Charakter bis hin zu Interessen und Ansichtsweisen. Ich habe noch nie von einer Freundin oder allgemein von Frauen gehört, dass sie die Haare eines Mannes anziehend finden. Im Gegensatz dazu habe ich schon diverse Male gehört, dass Männer durchaus die Haare von Frauen anziehend und attraktiv finden. Alleine schon durch diese Beobachtung und scharfes einsetzten seines Verstandes (auch wenn man Nicht- Muslim ist) sollte man erkennen dass Haare durchaus bei Frau und Mann nicht den gleichen Stellenwert und somit nicht die gleichen Anziehungskräfte ausüben. Somit gelten die Haare bei Frauen als ‘Reiz‘. Hinter dem Aspekt ein ‘Kopftuch‘ zu tragen gilt für eine Frau nicht nur Ihre Haare zu bedecken, sondern auch alle Körperteile, bis auf Gesicht, Hände und Füße. 

Und auch hier gilt diese Regel der Bedeckung nicht nur für die Frauen! Sondern auch Männer SOLLEN bestimmte Bereiche ihres Körpers bedecken. Diese Tatsache und viele viele und wirklich SEHR VIELE weitere Aspekte die im Islam klar und deutlich aufzeigen, dass Frau UND MANN sich an Regeln halten sollen, werden von NICHT- MUSLIMEN nicht gesehen oder sie wissen nichts davon. 

 

Was ich durch diesen Artikel sagen möchte ist, bitte liebe Nicht- Muslime. Stellt Fragen, wenn ihr welche habt aber akzeptiert auch mal die Antworten. Holt Eure Informationen über den Islam und Muslime nicht aus den Medien und Quellen die unzuverlässig sind, sondern recherchiert auf den ‘richtigen‘ Internetseiten. Wenn Ihr keine kennt, dann fragt UNS doch mal, anstatt Bücher von Autoren zu lesen, die eine negative voreingenommene Meinung über dem Islam haben und dementsprechend diesen auch schlecht darstellen. Und versucht nicht nur unsere schlechten Angewohnheiten auf die Religion zu beziehen, sondern zur Abwechslung auch mal unsere guten Eigenschaften, die mit größerer Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung aus der Liebe und Barmherzigkeit des Islam entspringen.

 

 

 

Danke, fürs Lesen meines Artikels.

 

Eure Filiz

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Kommentare: 5
  • #1

    Jamila (Mittwoch, 03 Januar 2018 11:49)

    Das ist sehr schön was du da schreibst . Man merkt das du unsere Religion im Herzen trägst und das das was du schreibst aus deinem Herzen kommt. Ich Danke dir dafür dass du das geschrieben hast . Großes Lob .�

  • #2

    Filiz (Mittwoch, 10 Januar 2018 23:50)

    Vielen herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar! :) Ich freue mich sehr über dein Feedback :) Und du bist auch DIE ERSTE, die bei mir einen Kommentar hinterlassen hat! Super lieben Dank dafür und natürlich fürs lesen :):) <3<3

  • #3

    Domi (Dienstag, 13 Februar 2018 18:54)

    Sehr interessant liebe Filiz,
    ich hab dich ja schon viel gefragt und hoffe es war nie unangenehm für dich �

  • #4

    Nadine (Mittwoch, 26 September 2018 15:39)

    Interessanter Beitrag. :)
    Jedoch stellt sich mir in Bezug zu diesem Thema noch eine Frage, die du bestimmt auch schon oft gehört hast.
    Wenn man sagt, die Bedeckung gewisser Körperregionen diene der Entnahme des Reizes, warum ist stark figurbetonte Kleidung und extremes make-up im Alltag, zumindest in den Städten, die ich kenne, besonders bei muslimischen Frauen anzutreffen? Zwar wird man da vielleicht der Auslegung des Wortlauts ja gerecht. Aber ist es nicht die Intention, die maßgeblich ist, vor allem in so persönlichen und religiösen Bereichen?
    Ich persönlich störe mich daran nicht und möchte auch nicht generalisieren, nur ist mir ein solches Phänomen jetzt häufig aufgefallen. Das empfinde ich gewissermaßen als paradox und würde gerne die Gedanken dahinter verstehen. Vielleicht hast du ja eine Erklärung. :) Falls nicht, muss ich wohl mal irgendwann persönlich fragen...

  • #5

    Mimi (Donnerstag, 29 November 2018 15:48)

    Ich finde deinen Beitrag und deine Sichtweise sehr spannend. Dein Kopftuch steht dir wirklich super und ich finde du bist eine sehr schöne Frau :-)
    Aber mit einem Statement hast du unrecht: Es gibt durchaus Frauen, die die Haare von Männern toll finden. Ich bin z.B. so eine und viele von meinen Freunden halten Haare oder auch den Bart eines Mannes als ein starkes Attraktivitätskriterium. Für mich gibt es nicht viel (äußerlich) attraktiveres als dies.